Wort des Jahres

Das Wort des Jahres 2015 in den Niederlanden: sjoemelsoftware (Schummelsoftware)
Gemeint ist die sogenannte Abschalteinrichtung, mit der Volkswagen die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge manipulierte.

Mein persönliches Wort des Jahres aber fährt nicht Auto, sondern Zug: perronpoeper
Niederländische Züge sind im Allgemeinen immer noch mit einer Fallrohrtoilette ausgestattet, weswegen das WC nicht auf Bahnhöfen benutzt werden darf. Sonst geht der Inhalt der Spülung direkt auf die Gleise. Das ist nicht so appetitlich, zum Beispiel direkt im nigelnagelneuen Rotterdamer Centraal Station.

Seit Jahr und Tag rege ich mich über solche zuwiderhandelnde Zugtoilettenbenutzer auf, seit 2015 habe ich endlich das griffige Wort fürs naming and shaming: Gleisscheißer

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Fick den König, lang lebe der König!

Wenn Willem-Alexander Geburtstag hat, dann ist „Königstag“: die Untertanen haben frei, besaufen sich mit orangefarbenem Likör und verwandeln alle Straßen in einen einzigen geselligen Flohmarkt, den sogenannten „vrijmarkt“. Hier verkaufen Leute, gerne vor ihrer eigenen Haustür, häufig Dinge, die am Ende des Tages, falls sie nicht an den Mann gebracht werden können, einfach auf dem Bürgersteig liegen bleiben, damit die Müllabfuhr sich ihrer erbarmt. niederlande_fan

In der Breedstraat in Utrecht gibt es die Tradition, alle „knuffelbeesten“ (Kuscheltiere), die nicht auf dem vrijmarkt verkauft werden konnten, unter großem Applaus in den höchsten Baum zu schleudern, mit dem Ziel, dass diese Knüffelbiester in der Baumkrone hängen bleiben.

Knüffelbiest und Kloschüssel

Vor drei Jahren, als der König noch ein Prinz war („prins pilsje“, um genau zu sein), schleuderte er Kloschüsseln. Er mischt sich am Nationalfeiertag gerne unter die Leute und bekräftigt seine Volksnähe durch aktive Partizipation am Sackhüpfen, am freihändigen Honigkuchen­essen mit Augenbinde oder eben am Kloschüssel­weitwurf. Jetzt aber ist Willem-Alexander ein gekröntes Haupt, ziert Münzen und Briefmarken und schmeißt höchstens noch mit Orden um sich (rund dreitausend allein in diesem Jahr).

Keinen Orden hat der Aktivist Abulkaskloschüssel kompilatieim al-Jaberi gekriegt, wohl aber eine ordentliche Geldbuße, weil er vor laufender Kamera „Fuck de Koning!“ rief. Damit hat er wohl Majestäts-beleidigung begangen, was laut Gesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis oder bis zu 20.250 Euro bestraft werden kann. Jetzt ist das Thema des Tages die Frage, ob das Gesetz aus dem Jahre 1881 überhaupt noch zeitgemäß ist.

Zwillingsglück und Zeitungsente

Wirklich niemand redet dagegen über eine mögliche Schwangerschaft der Königin, und das obwohl laut „Das Goldene Blatt“ ganz Holland elektrisiert sein solle von der Nachricht, dass die Frau Willem-Alexanders Zwillinge erwarte. Maxima hätte dann ja praktisch „de koning gefuckt“ und bewiesen, dass es sich bei Abulkasims Ausspruch mehr um einen Aufruf handelt als um eine Beleidigung. Doch leider ist Maxima überhaupt nicht schwanger.Zwillingsglück

Das Zentralorgan der deutschen Königshaus-Sehnsucht schreibt deshalb ebenso exklusiv wie realitätsfern: „Das Land ist im absoluten Freudentaumel“. Entweder hat der Korrespondent des Goldenen Blattes Holland just am Königstag besucht und irgendwas falsch verstanden, von wegen „Geburt…“, „Feier…“, „Tag…“, und/oder er hat selbst zu tief ins Oranjelikörglas geschaut. Oder er hat eine Kloschüssel gegen den Kopf gekriegt. Oder die zuverlässigen Quellen („ein Souvenirverkäufer in Amsterdam“, „ein Den Haager Frauenarzt“) erweisen sich als nicht ganz so zuverlässig. ODER und ich hier sträubt sich fast die Tastatur, dem Gedanken weiter Folge zu leisten… es handelt sich hier um eine Zeitungsente?! Fuck the duck! varen als de hazen klein

Wieder das Verpissen

>>ROTTERDAM

eine Stadt, auf die man stolz sein kann, ohne sich dafür schämen zu müssen.<<

Das hätte ich ein gutes Motto für meine Wahlheimatstadt gefunden. Die Stadt­oberen haben sich aber leider für den Slogan „make it happen“ entschieden. Blöder­weise benutzt die Firma Tena bereits denselben Werbe­spruch. Tena verkauft In­kontinenz­produkte.beschnitten

Und noch blöderer­weise haben Feyenoord-Fans fünf Tage nach meiner Kolumne über Wild­pinkler neue Maßstäbe gesetzt in Sachen „wildplassen“: der berühmte Barcaccia-Brunnen in Rom, Baujahr 1629 wurde von hunderten Schlachten­bummlern kurzer­hand zum Urinal um­funktioniert. Die Bewohner der ewigen Stadt wissen jetzt, Dank sei den „Olandesi Animali“ (niederländische Bestien), dass nichts für die Ewigkeit ist.beschnitten krant

Heute findet das Rückspiel zwischen dem AS Rom und Feyenoord statt, und man fürchtet, dass die Romanisti auf Rache sinnen könnten und ihrerseits Reviere markieren und Duftmarken setzen.

Nun ist guter Rat teuer. Singt man den Fans zu: „Ihr könnt zu Hause harn'“? Erhöht man die Deiche gegen die Spaghetti-Seiche?

In jedem Fall muss ich zugeben, dass der blasenschwache Stadt-Slogan dann doch der stärkere ist, denn Rotterdam muss heute Abend seine Ab­sorp­ti­ons­fä­hig­keit unter Beweis stellen.DSCF1934DSCF2556

Wider das Wildpissen

In Breda bekam jetzt ein Mann, der ordnungswidrig wildpinkelte, ein dreifaches Bußgeld:
1) Beschädigung architektonischen Kulturguts
2) öffentliche Ruhestörung 20141214_131425
3) unbeaufsichtigtes Zurücklassen von Eigentum (sic!)

In den Niederlanden ist Wildpinkeln ein großes Problem: Selbst auf dem zentralen Platz der Hauptstadt, de Dam, müssen wenig dekorative Zäune aufgestellt werden, um den königlichen Palast vor Harnsäure zu schützen.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist übrigens, dass wild kacken (poep op de stoep) und wild masturbieren „billiger“ seien als herrenloser Harn (130 Euro). Auch wenn die historische Bausubstanz in diesen Fällen vielleicht weniger leiden muss, lautet die Antwort ganz klar: NEE!

Üb‘ ersetzen!

Heute ist „Blue Monday“, nicht zu verwechseln mit dem „Blauen Montag“, einem arbeits­freien Montag. Glaubt man dem britischen Psychologen Cliff Arnall, dann ist „Blue Monday“ der deprimierendste Tag des Jahres.

Dass ich an meinem freien Tag saubneues logoer machen muss ist ganz schön depri, und in eben ­dieser Weise sind Blauer Montag und Blue Monday heute deckungsgleich. Meinem gries­grämigen Großputz fallen auch endlich die unzähligen, auf dem Kaminsims ausgestellten Weihnachtskarten zum Opfer:

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„Das Schönste, was es auf der Welt gibt, ist ein lachendes Gesicht.“
Albert Einstein.
Albert Einstein? Den kenne ich eigentlich nur als Relativitäts­theoretiker und nicht als Kalender­sprüche­schreiber. Irgendwann, zwischen
e und mc², muss er die Zeit gefunden haben.

Ohne Weihnachtskarten sieht die Wohnung gleich viel aufgeräumter aus, und ich gönne mir eine kleine Pause. Ich lese gerade den zweiten Roman von Jonas Jonasson. Der deutsche Titel „Die An­alpha­betin, die rechnen konnte“ ist eine wörtliche Übersetzung des schwedischen Originals. Hier in den Niederlanden heißt das Buch „Die wundersamen Abenteuer des genialen Bomben­mädchens“ und das erinnert mich ein bisschen an deutsche Filmtitel à la „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (OT: „Airplane“).

„And daily greets the Dingsbums-animal“

Es passiert mir häufiger, dass ich mich über einen Film unterhalten will, und mir mit einem Mal bewusst wird, dass ich den Original-Titel gar nicht kenne: „Have you seen: And daily greets the Dingsbums-animal?“ Immerhin weiß ich inzwischen, dass „Und täglich grüßt das Murmeltier“ im Original „Groundhog Day“ heißt und „Ich glaub‘, mich knutscht ein Elch!“ schlicht und ergreifend „Stripes“.

Doch zurück zum Buch, zur bombigen Analphabetin. Dem zweiten Kapitel ist ein Zitat voran­gestellt: „Je mehr ich von den Menschen sehe, um so lieber habe ich meinen Hund.“ Kurioser­weise wird dieses Zitat in der deutschen Ausgabe Friedrich dem Großen, in der nieder­ländischen aber Madame de Staël in den Mund gelegt.

Zwar sagt Karl Kraus „Übersetzen? Üb‘ ersetzen!“, doch hier wurde wohl das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Außerdem kennt niemand mehr Karl Kraus, weswegen dieses Bon­mot jetzt Mickie Krause („Geh doch zu Hause, du alte Scheiße!“) zugeschrieben wird. Dabei fällt mir ein: „Das Schönste, was es auf der Welt gibt, ist ein lachendes Gesicht.“ ist das nicht eigentlich von Charlie Chaplin? Oder zumindest von Nicolas Chamfort?

„Alles hat ein ENDE nur die Wurst hat zwei.“
Gottlieb Wendehals

Blue Monday-Formel

Blue Monday-Formel

 

…eine schöne Seite, die zeigt, dass viele Zitate Wanderpokale sind:
http://quoteinvestigator.com/

„Alles hat ein ENDE nur die Wurst hat zwei.“
Stephan Remmler

 

für einen tag

Video


im sonnenschein der herbst das laub
glaub es nicht oder glaub
ich bin glücklich für einen tag
sag es nochmal sag es sag

hör gut zu
die welt sie sagt
HALLO!

die beine hoch die augen zu
im tiefen gras da liegt was
da liege ich ich habe spaß
ich bin glücklich für einen tag

alles das was ich so seh
für einen tag ich es versteh
warum genau weil sowieso
ich bin glücklich ich bin froh

vor so lauter schönen träumen
werde ich dies lied versäumen
tausend vögel singen leise
ich bin glücklich auf jede weise