WIM KIFFT!

Die Biographie von Wim Kieft gewinnt einen der wichtigsten niederländischen Buchpreise, den NS publieksprijs. Wir erfahren viel über Kiefts Alkohol- und Kokainsucht.

Obwohl er beim Gewinwim kifft 2n der Europameisterschaft 1988 nur Einwechselspieler ist, bleibt Wim Kieft den deutschen Gastgebern in besonderer Erinnerung. Die Aachener Freizeit-Fußball-Truppe Wim Kieft, Berti Kokst setzt ihm ein Denkmal.

Wim Kieft,
Berti Kokst

„Nomen est omen“, sagt der alte Römer. Ein niederländisches Sprichwort sagt: „Een goede naam is geld waard“. Hätten Herr und Frau Ockels gewusst, dass ihr Wubbo (sprich: Wübbo) der erste Niederländer im All sein würde (Käsmonaut), dann hätten sie ihm vielleicht einen Namen gegeben, mit dem ihn die NASA-Kollegen James und Steven nicht hätten hänseln können. Na ja, Hauptsache nicht Dick!

Aber wenn Dick Advocaat eine wohlbeleibte, Eierlikör zwitschernde Schnaps­drossel ist, dann soll er auch so heißen, denn ein anderes Sprichwort fordert „Het beestje moet een naam hebben“das Kind beim Namen nennen.

ALLES
NICHTS
ODER

Beim Namen nennen hält der Niederländer das eine Mal den Ball flach und belässt es bei einem kurzen und knackigen: Jan VIS, ein anderes mal nutzt er die Tiefe des Raumes: Jan Johannes VENNEGOOR OF HESSELINK (der Alptraum der Trikotbeflocker von Hull City). Dieser Name ist selbst für Holländer ulkig, denn ‚of‘ bedeutet ‚oder’… man muss sich schon entscheiden!

Wenn also Menschen hier Miep, Wiet, oder IJsbrand (Gefrierbrand) getauft werden, dann darf man auch bei den Fußballclubs lustige Namen erwarten. Oder keinen Namen: CLUZONA WOUW (Club Zonder Naam = Club ohne Namen).

Manchmal muss ein Club sich umbenennen, bleibt aber seiner Abkürzung treu, so wie AGOVV APELDOORN (erst: Apeldoornse Geheel Onthouders Voetbal Vereniging = Fußballvereinigung der Apeldoornischen Abstinenzler, jetzt: Alleen Gezamenlijk Oefenen Voert Verder = nur gemeinsames Üben führt weiter). Agovv

Oder der kleine Ort in der Nähe Amsterdams, Zunderdorp, dessen HBOK sich glücklicherweise inzwischen Fußballschuhe leisten kann, denn: „Het Begon Op Klompen“ (es begann in Holzschuhen).

Ähnlich paradoxal angehaucht (sprich: bekifft) wie die Fußballfreunde aus Wouw waren wohl auch die Gründerväter aus Borne, die ihren Verein NEO tauften. Begegnen sich Cluzona und Neo, dann treffen zwei Philosophien aufeinander: Schall und Rauch vs. Nomen est Omen. MEIN Name ist Hase… zunderdorp

Advertisements

Der schwarze Gedanke

Am 11. November 2009
um 00:21 Uhr googele ich
„Robert Enke“.
der schwarze gedanke
Der zweite Link,
seine eigene Seite,
ist z.Z. nicht erreichbar.
Der fünfte Link ist
transfermarkt.de,

die ersten Worte lauten
„Marktwert: 9.000.000 €“.
Und da ist er:
der schwarze Gedanke.


Der „Hard Gras“-Fußballkalender erinnert an Enkes Freitod und stellt die Frage: „Welcher niederländische Spieler war der letzte Fußballer, der Enke bezwingen konnte?“
enke 3

Pietätlos?
Makaber?
Eljero Elia!

Jedem den Seinen

Rutger gesellt sich immer erst in der dritten Halbzeit zu unserer Freizeit-Kicker-Runde. Eine ominöse Verletzung hält ihn davon ab, auf dem Platz mitzumischen. Beim bierseligen Fach­simpeln aber ist er einsame Spitze. Aus irgendeinem Grund, den ich wohl verpasst habe (oder der ich womöglich selbst bin) fängt Rutger wieder von Lothar Matthäus an: „Wie der immer genervt hat!“

hobbyKlar: mich hat der auch genervt wen nicht? Aber er hat uns mit zum Welt­meister gemacht. Dieses Argument wiegt naturgemäß für Rutger genau­so schwer wie für mich. Nur eben in der anderen Waagschale. Allerdings ist das alles doch auch schon wieder so lange her…

Auch nach sieben Jahren in diesem Land begreife ich nur an­nähernd die hol­län­dische „Matthäus Passion“. Selbst in einem Artikel über das neue positive Deutsch­land-Bild im Jahr 2014, in dem es heißt, dass Berlin hip sei, und daloddass der Holländer neuer­dings auch Bayern München die Daumen drücke, darf Lothar nicht fehlen. Unter seinem Foto lese ich: „stand lange einer besseren Beziehung im Weg.“

Rutger verarbeitet neben der Ver­gangen­heit auch schon wieder sein drittes Bier: „Lothar Matthäus ist ja wohl auch der deutscheste Name, den es gibt!?“

Es mag zwar der deutscheste aller Namen sein… nun gut, der zweit­deutscheste. Was aber wenige wissen ist, dass es auch mal einen niederländischen Fuß­ball­spieler namens Lothar gab. Und was für einen! Lothar van Gogh, Großneffe von Vincent. Und dieser holländische Fußball-Lothar

– hat bei seinem Debüt ein Tor erzieltlodda graffi 8

– ist einer der 10 jüngsten Torschützen in Oranje (19 Jahre, 2 Monate)

– war Ingenieur

– war auch Cricket-Nationalspieler

Rutger, alias Rüdiger („ich darf doch Rüdiger sagen?“) schweigt. Er ballt die Faust im Erd­nuss­schälchen und denkt: „Sch… laumeijer! Ik moet snel naar huis!“

Neues Spiel, neues Glück

An ihren Trainern sollt ihr sie erkennen

Guus Hiddink ist der Nachfolger von Louis van Gaal. Hiddinks Spitzname ist „Guus Geluk“, das heißt Guus Glück und ist der niederländische Name von Gustav Gans. Alles was Hiddink anfasst wird nämlich zu Gold, genauso wie bei Donald Ducks Cousin dem mit dem unerträglichen Glück. Aber das Glück scheint Guus nicht mehr so hold wie einst. Die Leistung bei der 1:2 Niederlage gegen Tschechien ist eines WM-Dritten unwürdig.

Hiddinks Tage sind gezählt

Bereits beim Abspielen der Hymnen muss einen das ungute Gefühl beschleichen, dass der Abend zum Scheitern verurteilt ist: alle niederländischen Nationalspieler stehen ordentlich in Reih und Glied, bis auf Wesley Sneijder, den man nicht sehen kann, weil die Sicht auf den kleinsten Spieler der Elftal vom längsten tschechischen Eskortkind genommen wird.

big 4 b

Kurios: Hiddinks Tage als Bondscoach sind bereits gezählt bei seinem Amtsantritt, er wird gleichzeitig mit seinem Nachfolger vorgestellt, nach der Europameisterschaft 2016 in Frankreich übernimmt Danny Blind. Wie unterschiedlich ist doch die Personalpolitik beider Bünde, KNVB und DFB!

DFB-Ären währen länger

Zwar rief die Bild-Zeitung nach Grinsi-Klinsis Abschied „Die Ära Klinsmann geht zu Ende!“ und meinte damit einen Zeitraum von zwei Jahren; generell aber gilt: in Deutschland währen Ären länger. Unsere Fußballkanzler haben Kohl-mäßige, Merkel-eske Amtszeiten. Seit der DFB Länderspiel-Premiere im Jahre 1908 wurde die deutsche National­mann­schaft von zehn Trainern beziehungsweise Teamchefs betreut.

Hiddink der erste Nationaltrainer, der die ersten beiden Spiele verliert seit… Hiddink

Im selben Zeitraum waren beim KNVB, dem Königlich Niederländischen Fußballbund 41 „Bonds­coaches“ tätig. Die Zahl der Amtszeiten liegt sogar bei 52, denn einige Coaches waren mehr als einmal Bundes­trainer, zum Beispiel Dick Advocaat (WM 1994 und EM 2004), Rinus Michels (WM 1974 und EM 1988) und nicht zuletzt Louis van Gaal, der ja 2002 die WM-Qualifikation verpasste. Und auch der Nachfolger van Gaakohl 11ls, Guus Hiddink ist ein alter Bekannter auf diesem Posten: 1998 führt er die Nieder­lande bis ins WM-Halbfinale. Man muss sich das mal auf Deutschland übertragen vorstellen: unser Coach von vor 16 Jahren würde zurückkehren. Nun ja, von Berti Vogts stammen die prophetischen Worte „Man sieht sich im Leben immer zweimal!


BASS!

Höhepunkt: Hasselhoff erstickt an Erdnussflips

Die Stereoanlage von Frank Rijkaard

Ich erinnere mich noch gut an das Geschenk zu meinem 13. Geburtstag: die erste eigene Stereo! Kompakt! Anlage! Neben einem Radio und einem Doppelkassettendeck hatte sie auch einen Schallplattenspieler. Das Merkwürdige war nur, dass zwar Lang­spiel­platten abgespielt werden konnten, diese aber größer waren als der Spieler selbst, und sie über die Ränder hinausragten.

Der Deckel hatte deshalb an den Seiten Öffnungen.10000343_1_title_auna_tba

Auf der Geburtstagsparty fanden meine Gäste es lustig, Chips oder Flips auf das hervor­lugende Stückchen Vinyl zu legen, zu beobachten, wie die Knabbereien unter der schwarzen „Staub­schutz­haube“ verschwanden, um auf der anderen Seite nicht wieder aufzutauchen, weil sie in Saphir­nadel und Tonkopf hängen­geblieben waren. Wenn dann die Stimme David Hasselhoffs langsam wegstarb, dann war das der Höhepunkt einer Party für 13-Jährige.

Ob er ähnliche Erinnerungen an seinen 13. Geburtstag hat, ist nicht bekannt; als 24-Jähriger allerdings lässt sich Frank Rijkaard vom Werksverein Philips Sport aus Eindhoven mit einer hauseigenen Stereoanlage zur Vertragsunterschrift verführen. („Ich war jung und brauchte den Bass.“) Einige Tage später verlängert er mir­nichts­desto­wenigerdir­nichts seinen auslaufenden Vertrag bei Ajax. Rijkaard scheint sich die Frage nicht gestellt zu haben, irgendwann aber steht sie umso dringender im Raum: für welchen Verein soll/darf/muss er denn nun in der kommenden Saison spielen? Nach einigem Hickhack einigt man sich darauf, dass Ajax den Eindhovenaren eine tüchtige Abfindung zahlt (zweieinhalb Millionen Gulden sowie eine Gewinnbeteiligung beim Weiterverkauf).

„Der beste Deal aller Zeiten!“

Somit ist Rijkaard der einzige Spieler, an dem PSV verdient hat, ohne dass er je auch nur eine einzige Minute hier gespielt hat. Zurecht nennt PSV-Schatzmeister Harry van Raaij dies den „besten Deal aller Zeiten“.

Vor der berühmten Spuckattacke gegen Völler soll Rijkaard verbal provoziert worden sein. Mit welchen Worten ist nicht überliefert. Vielleicht: „Starke Steroanlage sollst du haben. Mehr Bass hat nur… deine Mudda singt im Männerchor!“

cropped-scannen0041.jpg

HEIMWEH!

Gib mir mein Land zurück

Am Tag nach Oranjes Halbfinal-Aus sagt mir eine 13-jährigafleveringe Schülerin, dass sie jetzt Deutschland die Daumen drücke. Meine Augenbrauen pflügen tiefe Runzeln in meine Stirn, vor allem, weil sie „natürlich“ sagt. „Wir sind ja jetzt raus, und ihr seid uns am Nächsten. Also…“ Um ein Haar halte ich ihr einen Vortrag: „Völlig falsch, mein Kind…“

Mich drängt es, sie aufzuklären über ihr Missverständnis. Will ihr sagen, dass sie noch viel lernen müsse, dass nichts unnatürlicher sein könnte als ihre Nächstenliebe. „Herr Meyer,“ will ich ihr soufflieren, „Sie sind ja ganz nett, aber ich werde beten: Lieber Gott, lass Lance Armstrong noch weitere sieben Mal die Tour de France gewinnen, gib den blöden Belgiern all unser Eis­schnell­lauf­gold, aber bitte lass diese verf*#% Deutschen nicht schon wieder Weltmeister werden!!!“ Ja, so würde ein Schuh daraus! Statt­dessen: „Viel Glück für Sonntag. Ik hoop echt, dat Duitsland wint!“

Gedankenverloren vergesse ich, mich zu bedanken. Ist Ihre Naivität altersbedingt? Ver­nach­lässigen die Eltern ihre Erziehung? Erschrocken denke ich: was aber, wenn das Kind recht hat? Neinneinnein. Klar, man hat schon Pferde kotzen sehen. Aber Fische schreien hören?

kop breed

80% der Niederländer drücken Deutschland die Daumen

Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Sonntag kommt und Deutschland gewinnt durch ein Tor kurz vor Schluss. Typisch deutsch. Doch die Zeitungen schreiben nicht „typisch!“, sie schreiben „verdient!“ Jawiejetzt? Meine Schülerin scheint kein Einzelfall, 80% der Niederländer drücken Deutschland die Daumen. Dabei haben sie eine argentinische Königin! Wo ist das Land, in das ich ausgewandert bin? Die Holländer waren immer die weltoffensten, ihre Toleranz kannte keine Grenze… außer der deutschen! Das Anti-Deutsch-Sein lag praktisch in der Natur der Holländer. Was soll ich denn jetzt machen?

„Bitte annektiert uns!“

Worin besteht denn jetzt noch die Mutprobe, von der Wohnung zum Supermarkt und zurück im Deutschland-Trikot zu laufen, wenn einem die Leute zulächeln und Daumen hoch gebaren?! Ich vermisse die gepflegte Abneigung gegen den großen Nachbarn. Liebe Holländer, eure Liebe klebt! Wer auch immer euch die Käseköpfe verdreht hat, bitte glaubt ihm nicht! Jetzt scheint plötzlich alles schwarz-rot-gold was glänzt, und ich muss lesen: „Warum die Deutschen in ALLEM gut sind (Wirtschaft, Intellekt, Umwelt…)“ und „Bitte annektiert uns!“ 

Mein letzter Zufluchtsort ist der Feierabend-Kick mit den Kollegen. Auch hier gratuliert mir zwar jeder brav, einige weniger versöhnliche Sportkameraden aber tun das hörbar zähne­knirschend. „War aber auch viel Glück dabei. Wenn ihr gegen uns gemusst hättet… weiß ich nicht, ob ihr dann gewonnen hättet.“ Hier bin ich Schuft, hier darf ich’s sein: „Mach dir nichts draus. Dafür seid ihr in anderen Dingen besser. Zum Beispiel, im…, äh… Domino Day! Daar bakken wij Duitsers echt niks van!“

 domino-day