Fröhlichen Königstag!

Heute hat Willem-Alexander Geburtstag, es ist „Königstag“: die Untertanen haben frei, besaufen sich mit orangefarbenem Likör und verwandeln alle Straßen in einen einzigen geselligen Flohmarkt, den sogenannten „vrijmarkt“. Hier verkaufen Leute, gerne vor ihrer eigenen Haustür, häufig Dinge, die am Ende des Tages, falls sie nicht an den Mann gebracht werden können, einfach auf dem Bürgersteig liegen bleiben, damit die Müllabfuhr sich ihrer erbarmt.

Oder sie verkaufen ungewöhnliche Dienstleistungen: man kann für 50 Cent ein Kompliment kriegen („man hört fast gar nicht, dass Sie aus Deutschland kommen“), sich von Zehnjährigen beim Hütchenspiel abziehen lassen, Orangen in die Gracht katapultieren, oder einen Fußballworkshop belegen:

voetballen als robben klein

„Fußballspielen wie Robben? Hör auf zu grübeln. Komm hier und spiel nicht wie nasses Papier!“


Ich wähle gleich alle vier Module „Schusstechnik, Bälle halten, Scheinbewegungen und Taktik(!)“ denn mein Trainer heute, ein Dreikäsehoch aus Gouda, ist ganz bestimmt der neue Robben-Cruijff-Klopp-Pep. An Begeisterungsfähigkeit ist er schwer zu überbieten, und er rettet den dieses Jahr leider so kalten und verregneten Nationalfeiertag. Wahrlich kein Kaiserwetter, desalniettemin (nichtsdestoweniger): „Vrolijke Koningsdag!“

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BERND DIE MUTTER

Hölzenbein ik hör Dir trappsen

Niederländisch lernen? Die verstehen doch alle Deutsch?!“, sagt zu mir, auf der Familienfeier, der Mann von der Schwester von…

sagt Udo. „Also ich bestelle meine Pommes in Scheveningen immer schön auf Deutsch. Und wenn der Kollege dann so tut als würd‘ er nichts kapier’n, dann sach ich: Mach hinne Meister, einma Rot-Weiß, aber Zack! Zack!“
„Zack! Zack!“ – und ich Traumtänzer vergeude wertvolle Lebenszeit, indem ich drei Semester niederländische Konversation studiere! „Zack! Zack!“ – die SS-Runen unter den Höflichkeitspartikeln.

Doch nicht nur an der Frittenbude lässt es sich vortrefflich in Fettnäpfchen stapfen. Hollands Kanäle, Siele, Grachten bieten sich dem Deutschen dar wie ein einziges fein gesponnenes, landesweites Fettnäpfchen, und der Deutsche ist sich nicht zu schade, hinein zu stürzen wie eine brennende Hindenburg.
Wie tief manche Wunden sind, merkt man erst, wenn man sie aufreißt. Man sitzt mit Holländern in der Kneipe, trinkt in fröhlicher Runde ein
Bier nach dem andern (und wird doch nicht betrunken, godverdomme Grachtenpisse!) und man sagt völlig arglos: „Im Trinken bin ich Beckenbauer“. Null Reaktion. „…beim Biertrinken bin ich ein Weltmeister!“ Wo eben noch Lärm und lustiger Tisch, glotzt nun der stumme Fisch…
ein
stiller matjes sozusagen. Das Wort Weltmeister hat hierzulande einen mindestens ebenso schlechten Klang wie Weltkrieg. Oder wieFairbeek ii „Schwalbe“.

Kennengelernt haben die Niederländer das Wort Schwalbe, oder besser gesagt das Phänomen 1974 als im WM-Finale hölzerne Beine in den niederländischen Strafraum einmarschierten und abhoben. Hölzenbein log, Hölzenbein flog – und ist seit diesem Moment fester Bestandteil eines nationalen Traumas.

Die Niederländer haben tatsächlich „Schwalbe“ als deutsche Fremdwort in ihre Sprache aufgenommen. Es gab Versuche, ein eigenes, ein niederländisches Wort zu finden, sowie „fopduik“, „kunstduik“, oder auch „robben“ – denn obwohl die Niederländer die Schwalbe als eine teutonische Tugend betrachten, hat Arjen Robben es hierin zur Meisterschaft gebracht (und in den niederländischen Augen folgerichtig beim Rekordmeister in München angeheuert). Doch es kann nur einen geben: Bernd Hölzenbein ist die Mutter aller Schwalben!