Wider das Wildpissen

In Breda bekam jetzt ein Mann, der ordnungswidrig wildpinkelte, ein dreifaches Bußgeld:
1) Beschädigung architektonischen Kulturguts
2) öffentliche Ruhestörung 20141214_131425
3) unbeaufsichtigtes Zurücklassen von Eigentum (sic!)

In den Niederlanden ist Wildpinkeln ein großes Problem: Selbst auf dem zentralen Platz der Hauptstadt, de Dam, müssen wenig dekorative Zäune aufgestellt werden, um den königlichen Palast vor Harnsäure zu schützen.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist übrigens, dass wild kacken (poep op de stoep) und wild masturbieren „billiger“ seien als herrenloser Harn (130 Euro). Auch wenn die historische Bausubstanz in diesen Fällen vielleicht weniger leiden muss, lautet die Antwort ganz klar: NEE!

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Üb‘ ersetzen!

Heute ist „Blue Monday“, nicht zu verwechseln mit dem „Blauen Montag“, einem arbeits­freien Montag. Glaubt man dem britischen Psychologen Cliff Arnall, dann ist „Blue Monday“ der deprimierendste Tag des Jahres.

Dass ich an meinem freien Tag saubneues logoer machen muss ist ganz schön depri, und in eben ­dieser Weise sind Blauer Montag und Blue Monday heute deckungsgleich. Meinem gries­grämigen Großputz fallen auch endlich die unzähligen, auf dem Kaminsims ausgestellten Weihnachtskarten zum Opfer:

e:-)mc²

„Das Schönste, was es auf der Welt gibt, ist ein lachendes Gesicht.“
Albert Einstein.
Albert Einstein? Den kenne ich eigentlich nur als Relativitäts­theoretiker und nicht als Kalender­sprüche­schreiber. Irgendwann, zwischen
e und mc², muss er die Zeit gefunden haben.

Ohne Weihnachtskarten sieht die Wohnung gleich viel aufgeräumter aus, und ich gönne mir eine kleine Pause. Ich lese gerade den zweiten Roman von Jonas Jonasson. Der deutsche Titel „Die An­alpha­betin, die rechnen konnte“ ist eine wörtliche Übersetzung des schwedischen Originals. Hier in den Niederlanden heißt das Buch „Die wundersamen Abenteuer des genialen Bomben­mädchens“ und das erinnert mich ein bisschen an deutsche Filmtitel à la „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (OT: „Airplane“).

„And daily greets the Dingsbums-animal“

Es passiert mir häufiger, dass ich mich über einen Film unterhalten will, und mir mit einem Mal bewusst wird, dass ich den Original-Titel gar nicht kenne: „Have you seen: And daily greets the Dingsbums-animal?“ Immerhin weiß ich inzwischen, dass „Und täglich grüßt das Murmeltier“ im Original „Groundhog Day“ heißt und „Ich glaub‘, mich knutscht ein Elch!“ schlicht und ergreifend „Stripes“.

Doch zurück zum Buch, zur bombigen Analphabetin. Dem zweiten Kapitel ist ein Zitat voran­gestellt: „Je mehr ich von den Menschen sehe, um so lieber habe ich meinen Hund.“ Kurioser­weise wird dieses Zitat in der deutschen Ausgabe Friedrich dem Großen, in der nieder­ländischen aber Madame de Staël in den Mund gelegt.

Zwar sagt Karl Kraus „Übersetzen? Üb‘ ersetzen!“, doch hier wurde wohl das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Außerdem kennt niemand mehr Karl Kraus, weswegen dieses Bon­mot jetzt Mickie Krause („Geh doch zu Hause, du alte Scheiße!“) zugeschrieben wird. Dabei fällt mir ein: „Das Schönste, was es auf der Welt gibt, ist ein lachendes Gesicht.“ ist das nicht eigentlich von Charlie Chaplin? Oder zumindest von Nicolas Chamfort?

„Alles hat ein ENDE nur die Wurst hat zwei.“
Gottlieb Wendehals

Blue Monday-Formel

Blue Monday-Formel

 

…eine schöne Seite, die zeigt, dass viele Zitate Wanderpokale sind:
http://quoteinvestigator.com/

„Alles hat ein ENDE nur die Wurst hat zwei.“
Stephan Remmler

 

Salönfahig

Wenn der Personalleiter zweimal googelt

Meine niederländische Freundin, nennen wir sie Antje, hat ein gestörtes Verhältnis zu Umlauten. In grauer Vorzeit konnte ich sie überreden, dem Herner Hörspiel-Label „Hörfabrik“ ihre Stimme zu leihen. Ich fand sie hinreißend als Dämonenjägerin „Zachta van Smaak“. Sie würde diese Episode lieber vergessen. Das Internet aber vergisst nichts, und wenn man ihren Namen googelt, dann erscheint noch immer der Link zur hoerfabrik.de. Klitzekleines Problem: im Niederländischen bedeutet das „Hurenfabrik“…

zimmerman

Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass auch viele von Antjes Landesgenossen ein gestörtes Verhältnis entwickelt haben zu ä, ö und ü. Es macht auf mich den Eindruck, als ob die Umlaute als unverbindliche Deko-Artikel gesehen werden. Sie sind wie Konfetti, das willkürlich über den fertigen Text ausgestreut wird, um ihn zu verschönern, optisch auf­zu­motzen. Oder man nehme statt Konfetti „Hageslag“ (=Hagelschlag), jene Schoko­streusel, die in den Niederlanden nicht als Backartikel zum Garnieren und Dekorieren benutzt werden, sondern täglich zum Frühstück gegessen werden. Beim Bestreuen des Brotes hagelt es natürlich auch zu gleichen Teilen auf Tisch, Teller und Küchenboden.

Wie ist es zu erklären, dass im Halbfinale des Einschaltquotenhits „Heel Holland bakt“ (Ganz Holland backt, mit 1,8 Millionen Zuschauern die „kijkcijferkanon“ =Guck­ziffer­kanone schlechthin) alle Kandidaten einen „Apfelstrüdel“ machen? Außer Bäcker Jacques. Der versucht die Jury mit einer „Uberassung“ zu überzeugen.

struedel 

Wäs söll däs?

Es handelt sich hier nicht etwa um einen Einzelfall, der dem doch leidgeprüften Schul­meister den Schaum vor den Mund treibt: im Supermarkt gibt es „Frankfürter worst“ zu kaufen, im Imbiss „Spatzle“, und man macht nicht einmal vor Familiennamen halt: in der niederländischen Tageszeitung Metro heißt der Facebook-Gründer neuerdings „Zückerberg“. „Ist doch suß!“, denken hier die einen, „süper schlämpig!“ die anderen.

04Es sind aber wohl nicht nur die Umlaute im Speziellen, es ist eine gewisse Nonchalance, die sich im Umgang mit dem Deutschen eingeschlichen hat. Selbst die Volkskrant druckt einen Stadtplan von Berlin mit „Strasse der 17. juni“. Warum noch diese Resthemmung? Wenn schon, denn schon: Strass von das siebzehn jüni! Das nicht weniger renommierte NRC-Handelsblad beschreibt den Tennisspieler Stanislas Wawrinka als „die andere Schweizer“. Eine Schule in Rotterdam-Rijnmond verabschiedet in ihrem Jahrbuch einen Kollegen in den Ruhestand. Die Überschrift: „Audieu, mein‘ liebe Schulkollegen“. In vier Wörtern drei Fehler in zwei Sprachen. Hut ab! Beziehungsweise: Chaupeau! Bevor ich mich mit Glänz und Örchestertüsch in den Ruhestand verabschieden darf, muss ich wohl noch ein paar Jährchen den Meckerfritzen geben, den kleinlichen „kommaneuker“ (=Kommaficker). Ümläut neuken in de keuken.01